Die landestypischen Por Quilo-Buffets und Balkan-Grills (irrefuehrenderweise Churrascaria genannt) sind ja schon hinlaenglich bekannt, die Feijoada (Bohnen und Reis mit Schlachtabfaellen verkocht) kann man guten Gewissens vernachlaessigen. Ebenfalls habe ich schon auf die ausgepraegte Vorliebe fuer Bier hingewiesen. Neben den laecherlich kleinen Chopp-Glaesern stoesst sich der in Mitteleuropa domestizierte Biertrinker hierzulande vor allem an dem seltsamen Brauch das Cerveja eiskalt, beinahe zu Bierwuerfeln gefroren zu trinken. Waehrend wir beim Guinness den Kopf schuetteln ueber das schale, warme Gesoeff irritiert uns hier das genaue Gegenteil. Im Unterschied zu England und Irland hat das aber einen entscheidenden Vorteil: zu kalt serviertes Bier kann man auftauen lassen, waehrend lauwarmes G'schloder durch Zuwarten nicht eben besser wird.
Es gibt in dem Zusammenhang noch einen Aspekt, der zumindest gewoehnungsbeduerftig ist. Die Vorliebe der Brasilianer fuer Bier geht soweit, dass man das Gefuehl hat sie trinken ueberhaupt nichts anderes, und zwar zu jeder Tages- und Nachtzeit. Konkret aeussert sich das in einer kaum wahrnehmbaren Dichte an Kaffeehaeusern, zumindest im Vergleich mit Wien und Auckland (und den USA, wenn man Starbucks als Kaffeehaus gelten laesst). Maenner trinken scheinbar schon zum Fruehstueck Bier, und fuer Frauen gibt es tagsueber die Fruchtsaftstaende wo sie ihre Diabetes pflegen (der Marktfuehrer in diesem Segment in Rio heisst MegaMatte, aber das ist eine andere Geschichte). Wer so wie ich auf Kaffee konditioniert ist fuehlt sich manchmal wie in der Wueste. Was es ueberall gibt sind Imbissbuden, wo diverse Backwaren, Saefte, Bier und Kaffee feilgeboten werden, wobei der Cafezinho aber von Haus aus stark gezuckert und somit nicht jedermanns Sache ist.
Rio hat eine recht grosse japanische Diaspora, dementsprechend viele Sushi-Lokale gibt es. Beim Besuch eines solchen wurde ich zum ersten Mal gewahr, dass es auch eine "Light-Variante" von Sojasauce gibt, die laut Etikett 52% weniger Kalorien und 35% weniger Salz enthaelt. Im gleichen Lokal hat die 08/15 gemischte Sushi-Maki-Platte frittierte Maki und Mayonnaise am Teller. Man merkt eben doch die Naehe zu den USA.
Wenn wir schon bei den Gruenden fuer das grassierende Uebergewicht sind, noch eine letzte Beobachtung. Die erwaehnten Imbissbuden bieten ebenso wie fahrende Haendler und Kioske vor U-Bahn und Busstationen allerlei Suessigkeiten und Knabbereien an, und das mit Erfolg. Zum Strassenbild gehoeren somit leider ueberall Leute (Maennlein wie Weiblein), die sich zwischendurch die halbe Tagesenergieration eines Holzfaellers in Form einer Packung Chips oder einer Tafel Schokolade einwerfen, und das am besten noch mit einem Bier oder einem gesuessten Fruchtsaft nachspuelen. Von nichts kommt eben nichts.