Montag, 10. Oktober 2011

Wie gewonnen so zerronnen

Kaum dass der EUR gegenueber dem USD wenn auch nur voruebergehend einen kleinen Rebound schafft, schlaegt auf Hawaii die Inflation gnadenlos zu: Die allseits beliebten "7 for $20" T-Shirts haben uebers Wochenende einen dramatischen Preisanstieg auf "5 for $20" erlebt; das entspricht dem Zehnfachen der kleinen Wechselkursverbesserung.

Und das nicht etwa nur bei einem Haendler, Nein, samt und sonders sind kleine Strandbuden ebenso wie die allmaechtigen ABC Stores am Wochenende bei der Ueberpruefung ihrer Kalkulation draufgekommen, dass sie am Montag die Preise fuer Tees anheben muessen.

Wo bleiben die Wettbewerbshueter wenn man sie braucht. Waikiki ist ein Opfer der chinesischen Zulieferindustrie und was tut Obama? Nichts! Hier tut zumindest eine T-Shirt-Datenbank not, besser noch ein Krisengipfel unter Einbindung aller Anrainerstaaten im Pazifik.

And now to something completely different: Neuseeland steht im Halbfinale! Die All Blacks haben Argentinien souveraen abgefertigt und treffen nun auf die Wallabies, die den Titelverteidiger Suedafrika niedergerungen haben. Man spekuliert schon vom Traumfinale Neuseeland - Frankreich, wobei man wissen muss, dass die Franzosen der traditionelle Angstgegner der Kiwis sind und diese bei Grossereignissen regelmaessig eliminieren. Diese Phobie scheint mir aehnlich gelagert wie die tiefsitzende Ueberzeugung in England niemals ein Elfmeterschiessen gegen Deutschland gewinnen zu koennen. Ein Finalsieg in Auckland waere also nichts geringeres als eine Psychotherapie fuer das ganze Land, oder aber ...

Lava Java

Hawaii gefaellt mit immer besser, jeden Tag entdecke ich eine neue Seite. Gestern der Ironman und die Kaffeeplantagen, heute Big Island aus der Vogelperspektive. Der Hubschrauberflug ueber den aktiven Vulkan Kilauea zaehlt zweifelsohne zu den Highlights dieser Reise. Ueber einen Krater zu fliegen der noch Feuer spuckt und einen Lavastrom produziert ist an sich schon ziemlich ungewoehnlich. Hubschrauber haben weder Druckausgleich noch Klimaanlage und man kann waehrend des Fluges die Fenster oeffnen, dh man spuert die ploetzliche Hitze ueber dem Krater und dem Lavastrom unmittelbar am eigenen Koerper. Noch besser wird es wenn man die Reise im beschaulichen Badeort Kona startet und nach dem Vulkan noch ueber einen Regenwald mit steil zum Meer abfallenden Kuesten fliegt.

Die Gegensaetze zwischen den beiden Inselseiten koennten groesser nicht sein. Auf der einen Seite das heisse, trockene Klima und auf der anderen Seite immergruener Regenwald mit Dutzenden von Wasserfaellen wie aus dem Bilderbuch, und als Wetterscheide mittendrin die Vulkane. Wenn man durch die Wolkendecke stoesst und knapp ueber die dicht bewachsenen steilen Haenge fliegt passt das so ueberhaupt nicht mit dem vorgefassten Bild von Hawaii zusammen. Es ist tatsaechlich so immergruen, dass der Film "Waterworld" (glaube von und/oder mit Kevin Costner, bin als ausgewiesener Hollywood-Veraechter diesbezueglich aber keine zuverlaessige Quelle) hier gedreht wurde.

Das Fliegen entlang der Wolkendecke und ueber 4000m hohe, windumtoste Berggipfel, noch dazu mit erhoehter thermischer Aktivitaet, und entlang steiler, verregneter Felskuesten hat den unangenehmen Nebeneffekt, dass so ein Flug deutlich mehr Turbulenzen aufweist als man es von Linienmaschinen gewohnt ist. Fuer den Fall der Faelle bekommt man vorsorglich ein grosszuegig dimensioniertes "Aloha-Bag" mit auf die Reise, und ehrlich gesagt hat bei mir zeitweise nicht mehr viel gefehlt um es widmungsgemaess einzusetzen. Laut Piloten war es bei uns nur etwas "shaky" aber noch nicht wirklich "bumpy". Mahalo!

Back to Honolulu, fuehlt sich schon wie zuhause an. Der Flug von Kona nach Honolulu am Sonntagabend war voll mit Ironmen (und -women, ladies ziemt sich wegen der Verwechslungsgefahr mit Maggie Thatcher in dem Fall wohl nicht), viele noch voller Stolz mit dem Athletenband am Handgelenk, Finisher T-Shirt und Blumenkranz; einige hatten sogar noch die Startnummer am Oberarm, wahrscheinlich haben sie die nach dem Duschen extra nachgezogen. Habe mir heute die Zeit genommen die Marathonstrecke genauer unter die Lupe zu nehmen, vor allem der Abschnitt zum Natural Energy Lab tangiert die Grenze zum Sadismus nicht nur. Andererseits, der Mensch waechst mit der Herausforderung! Ob ich mir das nicht doch einmal am eigenen Leib geben soll?